Bärbel Bas (SPD) vollzieht eine Kehrtwende in der Renten-Debatte. Die Arbeitsministerin, die eine Anhebung des Rentenalters auf 70 zuvor als „reine Rentenkürzung“ abgelehnt hatte, zeigte sich im ARD-Sommerinterview (10. August) nun offen für Gespräche. Auch der umstrittene Vorschlag von Wirtschaftsministerin Reiche (CDU) wird in der Rentenkommission diskutiert. Was bedeutet dies nun für die arbeitende Bevölkerung?
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Bas öffnet Tür für Diskussion um Rente ab 70
Die SPD-Bundesvorsitzende bestätigte zunächst die bekannte Linie der Koalition: Eine Anhebung des Rentenalters werde „in dieser Legislatur nicht erfolgen“, das sei klar vereinbart. Kurz darauf relativierte sie jedoch ihre Aussage: Das Ergebnis der Rentenkommission lasse sich noch nicht vorwegnehmen. „Der Vorschlag wird diskutiert“, erklärte Bas – sowohl in Bezug auf die Rente ab 70 als auch auf die mögliche Abschaffung von Beamtenprivilegien.
Renten-Debatte sorgt für Streit in der Koalition
Die Äußerung sorgt für Aufsehen, denn der Koalitionsvertrag schließt eine Anhebung des Renteneintrittsalters ausdrücklich aus. Auf Nachfrage von IPPEN.MEDIA erklärte ein Sprecher des Arbeitsministeriums, die Aussagen der Ministerin im Sommerinterview stünden für sich.
Der Vorstoß von Wirtschaftsministerin Reiche, den sie angesichts des demografischen Wandels, der Babyboomer-Rente und steigender Lebenserwartung als „unumgänglich“ bezeichnete, hatte bereits breite Kritik ausgelöst – von Gewerkschaften, Linken, Grünen und SPD bis hin zu Teilen der eigenen Unionsfraktion.
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Gesprächsergebnisse ab 2026 erwartet
Die Ergebnisse der Gespräche über eine mögliche Anhebung des Rentenalters und die Einbeziehung von Beamt*innen, Abgeordneten und Selbstständigen ins gesetzliche Rentensystem sollen 2026 oder 2027 vorliegen. Ziel der Beratungen ist es, Wege zu finden, wie die Rente den gewohnten Lebensstandard auch künftig sichern kann.

