Verlassene Mauern, einsame Stille und spannende Geschichten. Lost Places: Diese 10 Orte in Europa rauben dir den Atem.
In der Türkei gibt es einen Lost Place, der aussieht, als wäre er aus einem Disney-Film entsprungen. Zwischen Ankara und Istanbul befindet sich das Burj Al Babas, ein ambitioniertes Bauprojekt in der türkischen Provinz Bolu. Was ursprünglich eine Luxus-Feriensiedlung werden sollte, gleicht heute einer Geisterstadt. Geplant waren über 700 Villen, jede sollte im Stil eines kleinen französischen Château, ausgestattet und mit modernstem Komfort wie Fußbodenheizung und privaten Gärten versehen werden. Die Villen kosten je nach Ausführung zwischen 400.000 und 500.000 Dollar. Hinzu sollten Einkaufszentren kommen, Spa-Bereiche und künstliche Seen – eine Art Disneyland für reiche Immobilienkäufer:innen. Doch statt Eleganz und Glanz bleibt heute nur Verfall und Leere.Die Geschichte des Lapalice Castle beginnt in den 1980er-Jahren. Der wohlhabende polnische Künstler und Unternehmer – Piotr Kazimierczak – träumte von einem eigenen Märchenschloss und begann mit dem Bau, jedoch ohne die nötigen Genehmigungen einzuholen. Geplant waren 365 Fenster, 52 Räume und 12 Türme – symbolisch für die Tage, Wochen und die 12 Apostel aus der Bibel. Insgesamt erstreckte sich das gigantische Projekt über ganze 6.000 Quadratmeter. Auf dem Gelände entstanden unter anderem ein riesiger Swimmingpool und ein Ballsaal.Doch das ehrgeizige Projekt wurde schon bald gestoppt, als die Behörden einschritten und den Bau des Schlosses wegen fehlender Baugenehmigungen untersagten. Ein Grund: Kazimierczak erhielt nur eine Genehmigung für 1.000 Quadratmeter, nicht aber für die ganzen 6.000 – seitdem ist das Schloss sich selbst überlassen. Credit: SirioCarnevalino – stock.adobe.comDie Sehenswürdigkeit „Casa Hamilton“ befindet sich einige Kilometer westlich von Puerto de la Cruz, in dem Ortsteil „Romantica 1“. Die britische Familie Hamilton ließ die Villa im Jahr 1903 dort errichten, um auf den Kanaren ein neues Leben zu beginnen – was ihnen schließlich auch gelang. Und zwar mithilfe einer „Pump-Anlage“. Der Zweck der Villa bestand darin, das Süßwasser der nahegelegenen Gordejuela-Quelle abzupumpen und für die Landwirtschaft nutzbar zu machen, insbesondere zur Bewässerung von Bananenplantagen. Dafür wurde das Wasser über Leitungen ins Orotava-Tal geleitet und dabei ein Höhenunterschied von etwa 200 Metern überwunden. Credit: Eimantas – stock.adobe.comConsonno liegt in Norditalien, genauer gesagt in der Lombardei. In den 1960er-Jahren kaufte der exzentrische Unternehmer Mario Bagno das kleine Bauerndorf für rund 22,5 Millionen italienische Lire. Sein Plan: ein luxuriöses Freizeitparadies zu bauen, das mit pompösen Bauten, orientalischen Türmen und prächtigen Boulevards die Schönen und Reichen Italiens anlocken sollte. Für sein Vorhaben wurden die ursprünglichen Dorfbewohner:innen umgesiedelt und die traditionellen Häuser abgerissen – lediglich die Kirche, der Friedhof und ein paar vereinzelte Gebäude blieben stehen. Eine futuristische Traumwelt sollte entstehen. Geplant waren Einkaufsstraßen, Restaurants und sogar ein künstlicher See. Außerdem sollte jedes Gebäude im Stil einer anderen Kultur errichtet werden: So entstanden ein muslimisches Minarett, mehrere chinesische Pagoden und ein mittelalterliches Burgtor. Das Highlight: ein 30 Meter hoher Turm, der letztlich auch zum Wahrzeichen der Stadt wurde. Tatsächlich strömten Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre riesige Menschenmengen in das kleine Dorf, um dort ihre Hochzeit zu feiern oder Wochenendpartys zu veranstalten. Doch die Vision sollte nicht lange Bestand haben. Credit: Getty ImagesIn den 80er Jahren lebten über 1000 Menschen in der Bergbaustadt Pyramiden, einer Stadt, die 1910 von Schweden gegründet und 1927 an die Sowjetunion verkauft wurde, heißt es auf der Webseite „Visit Svalbard“. Der Ort erhielt seinen Namen von dem pyramidenförmigen Berg, der ihn überragt. Heute wird er hauptsächlich von Seevögeln, Polarfüchsen und möglicherweise gelegentlich von Eisbären besucht. Das russische Bergbauunternehmen Trust Arktikugol beendete im April 1998 nach 53 Jahren kontinuierlichem Betrieb den Kohleabbau in Pyramiden. Grund dafür waren fallende Kohlepreise, schwierige Abbaubedingungen im Berg sowie der tragische Flugzeugabsturz am Operafjellet, bei dem 141 Menschen ums Leben kamen. Bis heute wirkt der Ort wie eingefroren: Tassen stehen noch auf den Tischen, Zeitungsausschnitte kleben an den Wänden, und Skiausrüstung liegt verlassen in den Fluren. Credit: Viktor Posnov – stock.adobe.comEigentlich sah man von dem Dorf Graun im Vinschgau (italienisch Curon Venosta), lediglich eine Kirchturmspitze aus dem Wasser ragen. Im Jahr 2021 wurde jedoch zum ersten Mal seit 71 Jahren das gesamte Wasser aus dem See abgelassen und Teile des versunkenen Dorfes wurden sichtbar. Zum Vorschein kamen alte Mauerreste, Treppen und Keller. Grund für die Maßnahme waren Reparaturarbeiten am Kanal des Stausees, der vom Staudamm wegführt, in Richtung eins Kraftwerks. Anschließend wurde das Wasser wieder aufgestaut. Doch warum ist die Stadt untergegangen? In den 1950er-Jahren wurde das Dorf Graun am Reschenpass Opfer eines ehrgeizigen Infrastrukturprojekts. Um die Energieversorgung der Region zu sichern, plante man einen Stausee, der mehrere kleine Orte überfluten sollte. Trotz des Protestes der Bewohner:innen wurde das Vorhaben umgesetzt. Rund 150 Familien mussten ihre Heimat aufgeben, während Graun mit seinen historischen Gebäuden und Bauernhöfen in den Fluten verschwand. Credit: Renate – stock.adobe.comErbaut wurde die Casa Winter in den 1940er-Jahren von dem deutschen Ingenieur Gustav Winter, der für seine enge Verbindung zum Dritten Reich bekannt gewesen sein soll. Seither ranken sich düstere Theorien und Mythen um das Anwesen: War es eine geheime Nazi-Basis? Ein Unterschlupf für Kriegsverbrecher:innen? Oder doch nur ein luxuriöser Rückzugsort inmitten der kanarischen Wildnis? Die Architektur des Hauses ist ebenso geheimnisvoll wie seine Geschichte: ein wuchtiges Gebäude mit dicken Mauern, Türmen und unterirdischen Tunneln, die angeblich zu versteckten Räumen führen. Besonders die angeblichen Kerker und Operationsräume sorgen bis heute für Spekulationen – einige vermuten hier geheime Experimente oder gar Folterkeller. Credit: IMAGO / imagebroker/via CanvaDie Überreste des Gefängnisses befinden sich rund um Rummu, einem Dorf in Estland, das bis heute ein dunkles Geheimnis umgibt. Es wurde 1938 gegründet und liegt etwa 40 Kilometer von Tallinn entfernt. Und da in der Hauptstadt ganze Stadtviertel von sozialistischen Plattenbausiedlungen geprägt sind, verwundert es nicht, dass auch unser Lost Place aus der ehemaligen Sowjetunion stammt. Ursprünglich war das Rummu-Steinbruch-Gefängnis ein Arbeitslager, in dem die Häftlinge zu härtester Strafarbeit gezwungen wurden und Kalkstein abbauen mussten. Etwa 400 Häftlinge arbeiteten anfangs bis zu drei Schichten am Stück. Zunächst lebten sie in einfachen Holzbaracken, später verlegt man die Häftlinge in das eigentliche Gefängnis, das Platz für bis zu 7.000 Insassen bot. Erst nach der Unabhängigkeit Estlands in den 1990er Jahren wurde das Gefängnis nicht mehr genutzt und die Natur übernahm das Kommando: Das Grundwasser stieg an und überflutete den Steinbruch und Teile der Gebäude. Heute ragen die Ruinen aus dem smaragdgrünen Wasser – ein ebenso bizarrer wie schöner Anblick. Offiziell geschlossen wurde es erst am 01. Januar 2013. Seitdem ist es eine morbide Touristenattraktion, die international für Aufsehen sorgt. Familien grillen am Strand, Menschen baden in dem türkisblauen Wasser und Taucher:innen schauen sich das ehemalige Gefängnis von unten an. Immer wieder finden dort auch Festivals statt. Credit: IMAGO/Image SourceVatheia besteht größtenteils aus sogenannten Wehrtürmen, die im 18. und 19. Jahrhundert von lokalen Familienclans erbaut wurden. Hintergrund waren Piratenangriffe und die jahrhundertelang gepflegte Blutrache, die in der abgelegenen Region Mani weit verbreitet war. Dabei ging es vor allem um Land- und Einflussgewinn. Die Bewohner:innen schützten sich, indem sie ihre Häuser wie kleine Festungen bauten: mit dicken Steinmauern, engen Eingängen und hohen Türmen, von denen aus man das Tal und die Küste überblicken konnte. Nach und nach verließen die Einwohner:innen den Ort – insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Abgeschiedenheit, fehlende Infrastruktur und die schwierigen Lebensbedingungen führten dazu, dass viele Familien in Städte oder ins Ausland zogen. Heute wird der Ort oft als Geisterdorf bezeichnet – und tatsächlich ist er fast menschenleer. Lediglich einige der alten Türme wurden in der Zwischenzeit restauriert. In den Sommermonaten kehren manche Familien zurück, um ihre Häuser zu pflegen oder Urlaub zu machen. Credit: Getty Images/iStockphotoLepra ist eine chronische Infektionskrankheit, die durch Bakterien verursacht wird. Sie kommt auch heute noch in Ländern wie Indien, Südamerika und Südostasien vor. Da sie inzwischen mit Antibiotika behandelt werden kann, ist sie in der Regel heilbar. Wichtig ist jedoch eine frühzeitige Behandlung. In den 1030er Jahren war die Situation noch anders. Nach dem Spanischen Bürgerkrieg gab es auf Teneriffa rund 200 Leprakranke. Da es noch kein Heilmittel gab, mussten die Kranken isoliert werden. Aus diesem Grund wurde auf der kanarischen Insel eine Leprakolonie errichtet, in der die Erkrankten unter Quarantäne gestellt wurden. Man glaubte, dass die Seeluft helfen könnte, die Krankheit in Schach zu halten. 1943 wurde mit dem Bau eines Sanatoriums begonnen. Darunter eine Kirche im typischen Franco-Stil, ein Krankenhaus, ein Krematorium und einige Wohnhäuser. Gerade als die Bauarbeiten nach zwei Jahren zur Hälfte abgeschlossen waren, wurde ein wirksames Mittel zur Behandlung von Lepra gefunden – das Sanatorium wurde überflüssig. Die Gebäude wurden daraufhin sich selbst überlassen. Danach blieben sie 20 Jahre lang ungenutzt, bis das spanische Militär das Gelände in den 1960er Jahren übernahm. Später erwarb ein italienischer Investor das Sanatorium, mit dem Ziel, eine Ferienanlage zu errichten – diese wurde jedoch nicht genehmigt. Credit: Jochen – stock.adobe.com