Laut Regierungsangaben bezogen 2024 rund 5,5 Millionen Menschen Bürgergeld. Angesichts gestiegener Lebenshaltungskosten fragen sich nun viele, ob das Bürgergeld 2026 höher ausfallen könnte. Die Bundesregierung hat nun eine Entscheidung getroffen. Wie diese lautet und wie Kritiker*innen dazu stehen, liest du hier.
Bürgergeld: Nullrunde für 2026 beschlossen
Es zeichnete sich schon ab – jetzt ist es besiegelt: Die nächste Nullrunde beim Bürgergeld steht fest. Bezieher*innen der Grundsicherung müssen auch 2026 mit denselben Regelsätzen auskommen, die bereits seit Anfang 2024 gelten. Am Mittwoch, dem 10. September, verabschiedete das Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die entsprechende Verordnung.
Von der Nullrunde sind nicht nur klassische Bürgergeld-Empfänger*innen betroffen. Auch Rentnerinnen und Rentner, deren Rente nicht ausreicht und die auf Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung angewiesen sind, bekommen keine Erhöhung. Alleinstehende müssen weiterhin mit 563 Euro im Monat zurechtkommen, Paare erhalten je 506 Euro – zusammen also 1.012 Euro. Für Kinder und Jugendliche liegen die Regelsätze je nach Alter zwischen 357 und 451 Euro.
So wird die Höhe des Bürgergeldes berechnet
Jedes Jahr prüft die Bundesregierung, wie hoch das Bürgergeld sein sollte – nach festen Regeln. Die Basis dafür liefert die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS), die alle fünf Jahre erhoben wird. Hinzu kommt seit der Bürgergeld-Reform die sogenannte Basisfortschreibung: Sie gleicht die Regelsätze an die Inflation an und zeigt, wie sich die Preise von April bis Juni im Vergleich zum Vorjahr entwickelt haben. Auf diese Weise soll das Bürgergeld realistisch bleiben und den tatsächlichen Lebenshaltungskosten gerecht werden.
Nach dieser Berechnungsmethode bleibt die Entscheidung für 2026 unverändert: Die Bürgergeld-Regelsätze steigen nicht. Schon 2025 mussten Empfänger*innen auf eine Erhöhung verzichten. Während der Bundestag für die Verordnung nicht zustimmen muss, liegt das letzte Wort beim Bundesrat – und dort soll am 17. Oktober das endgültige Votum fallen.
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Kritik an der Nullrunde
Die Entscheidung der Merz-Regierung, die Bürgergeld-Regelsätze auch im Jahr 2026 unverändert zu lassen, stößt auf scharfe Kritik von Sozialverbänden. Diese befürchten, dass die Nullrunde die ohnehin schon angespannte finanzielle Lage von Bezieher*innen der Grundsicherung weiter verschärft und die Kaufkraft verringert, erklärt Michaela Engelmeier, Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD) gegenüber IPPEN.MEDIA.
Auch Linken-Sozialpolitikerin Cansin Köktürk findet deutliche Worte: „Das Bürgergeld reicht nicht für ein menschenwürdiges Leben“. Ihrer Ansicht nach setzt die Bundesregierung mit der Nullrunde de facto die zweite Kürzung in Folge durch, obwohl das Grundgesetz eigentlich das Existenzminimum sichern soll. Besonders die „rasant steigenden Lebensmittelpreise und Mieten“ verschärfen die Lage vieler Betroffener. Köktürk warnt, dass Millionen Menschen dadurch noch tiefer in die Armut gedrängt werden. Sie fordert eine sofortige Anpassung der Regelsätze, um die Lebensrealität der Bürgergeld-Empfänger zu berücksichtigen. Die Nullrunde sei ein falsches Signal in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten.

