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Hochwasser: Wildtiere kämpfen um Leben und Tod

Die Tiere versuchen sich bei Hochwasser in Sicherheit zu bringen. Einigen gelingt es rechtzeitig. Andere verenden in den Fluten.

Tiere Hochwasser Fuchs am Fluss
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Richtiges Verhalten im Katastrophenfall

Umweltkatastrophen nehmen aufgrund des Klimawandels auch in Deutschland immer mehr zu. Wie verhält man sich im Katastrophenfall eigentlich richtig?

Süddeutschland steht zu großen Teilen unter Wasser. Viele Menschen verlieren in den Fluten ihr Hab und Gut, und auch die Tiere kämpfen im Hochwasser um ihr Überleben. Maulwürfe ertrinken in ihrem eigenen Bau und vielen Vögeln droht eine Unterkühlung. Insbesondere die noch sensiblen Jungtiere haben es schwer.

Wie ergeht es den Tieren bei Hochwasser?

Um sich vor den Wassermengen zu schützen, suchen viele Tiere Zuflucht in höher gelegenen Gebieten. Zudem vertragen speziell Jungtiere die kühlen Witterungsbedingungen nicht. Die Folge: Krankheiten und ein harter Überlebenskampf.

Fuchs, Hase und Reh – die Flucht vor den Fluten

All die Tiere, die im Wald, auf Wiesen und Feldern leben, sind vom Hochwasser betroffen. Dazu gehören beispielsweise Wildschweine, Rehe, Hirsche, Füchse und Hasen. Je höher das Wasser steigt, desto weiter ziehen sie sich in die Tiefen des Waldes zurück oder suchen erhöhte Regionen auf, an denen es trocken und sicher ist.

Das Problem: Auf den Deichen tummeln sich häufig schaulustige Touristen und Touristinnen, welche den Tieren die Flucht vor dem Hochwasser erschweren. Sie ziehen sich zurück, sodass sie wieder zurück ins Wasser zurücklaufen und ertrinken können. Die Deiche sollten daher für die Wildtiere freigehalten werden.

„Feldhasen haben es schwer bei Feuchtigkeit. Sie sind ursprünglich Steppenbewohner, die mögen es warm und trocken“, warnt die Deutsche Wildtier-Stiftung auf ihrer Webseite. Junge Tiere haben ein schwächeres Immunsystem und können durch die anhaltende Nässe schwer krank werden – schlimmstenfalls sogar sterben.

Wildschweine ziehen sich bei Hochwasser tiefer in den Wald zurück. Foto: Getty Images ViktorCap

Maulwürfe buddeln gegen die Zeit

Für die tierischen Bewohner unter der Erde beginnt mit dem Hochwasser ein wahrer Überlebenskampf. Zwar können beispielsweise Maulwürfe gut schwimmen, den Kontakt zum Wasser versuchen sie vermeiden. Jenifer Calvi von der Deutschen Wildtier-Stiftung erklärt: „Wenn das Hochwasser zu schnell kommt, kommen viele Maulwürfe auch nicht rechtzeitig aus ihrem Bau heraus“. Die Folge: Sie ertrinken in ihrem eigenen Zuhause.

Steigt das Wasser langsam an, haben die Tiere meist Glück und schaffen es, rechtzeitig herauszukrabbeln und zu fliehen. Um sich für den Notfall zu wappnen, bauen die cleveren Fellnasen sogenannte Sumpfburgen. Das „neue Zuhause“ ist rund einen Meter hoch und hat einen Durchmesser von bis zu 1,5 Metern – die idealen Bedingungen, um in feuchten Gebieten standzuhalten.

Regenwürmer paaren sich im Regen

Lange wurde angenommen, Regenwürmer würden bei Regen an die Oberfläche kommen, weil es im Boden an Sauerstoff mangelt. Mittlerweile weiß man: Den Sauerstoff nehmen die Regenwürmer direkt aus dem Wasser über die Haut auf. Der Regen bietet für sie die optimalen Paarungsbedingungen (keine Sonneneinstrahlung, hohe Luftfeuchtigkeit). Außerdem können sie so ihren Lebensraum erweitern.

Die Bodenbewohner machen ihrem Namen alle Ehre: Tatsächlich überleben einige Regenwurmarten mehrere Wochen oder sogar Monate bei einer Überflutung. Ziehen sie sich nach der Paarung nicht in den Boden zurück, kann es jedoch passieren, dass sie von den Wassermassen weggespült werden.

Insekten – im Keim erstickt

Zahlreiche Insekten setzen ihre Eier in den Boden, aus denen sich dann von Zeit zu Zeit neues Leben entwickeln. Doch selbst wenn die Larven schon geschlüpft sind, haben sie in der Regel keine Chance gegen die Überschwemmungen. Die Eier der Wildbienen, junge Hummelköniginnen und die Larven zahlreicher Käfer – all diese Tiere sind bei Hochwasser verloren.

Vögel müssen sich vor Nässe und Kälte schützen

Was haben Vögel mit Hochwasser zu tun? Tatsächlich sind hier nicht die Überschwemmungen das Problem, sondern der anhaltende Dauerregen, erklärt Vogelexperte Martin Rümmler vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) gegenüber n-tv. Regnet es ununterbrochen, müssen die Vögel ihren geschützten Standort verlassen, um auf Nahrungssuche zu gehen. Dabei drohen sie aufgrund des durchnässten Gefieders auszukühlen. Es gilt: Je kleiner der Vogel, desto schneller kühlt er aus.

Hinweis: Findest du einen unterkühlten Vogel, setze ihn behutsam in eine trockene Box, die auf einer Seite offen ist. Stelle sie an einen warmen, geschützten Ort, wo sich der Piepmatz erst einmal erholen kann. Dieser Ort sollte jedoch draußen sein, denn in Innenräumen ist die Verletzungsgefahr zu hoch.