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Guilt-Tripping: Erkenne den fiesen Psychotrick deiner besten Freundin

Du fühlst dich schuldig, obwohl du nichts falsch gemacht hast? Genau das ist Guilt-Tripping. Wie du es erkennst und dich endlich davon befreist.

Guilt Tripping: zwei Frauen sitzen auf dem Bett, eine lacht, eine schaut böse
© iStock / Getty Images Plus / stacey_newman via canva.com

Emotionale Erpressung: So kannst du sie erkennen und dich wehren

Emotionale Erpressung ist eine unschöne Sache. Man sollte sich nicht derart manipulieren lassen. Dennoch ist es gar nicht so leicht, sie zu erkennen und dagegen vorzugehen.

„Wenn du nicht mit mir zum Konzert gehst, bin ich sauer“, sagt deine Freundin zu dir. Sofort schleichen sich bei dir Schuldgefühle ein und du fühlst dich für ihr Wohlbefinden verantwortlich. Dahinter könnte eine versteckte Manipulation stecken: das Guilt Tripping. Eine gefährliche Dynamik, die uns auf Dauer krank machen kann. Wie du sie erkennst und dich davor schützt, liest du hier.

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Wofür steht Guilt-Tripping in der Psychologie?

Das Guilt-Tripping bezeichnet eine psychologische Strategie, bei der dein Gegenüber versucht, durch bestimmte Aussagen, Schuldgefühle in dir auszulösen. Das kann bewusst oder unbewusst geschehen. Oft merken wir das gar nicht, denn das Guilt-Tripping ist eine sehr subtile Form der Manipulation. Die Ziele sind meist:

  • dein Verhalten zu beeinflussen,
  • dich zu einer bestimmten Handlung zu bewegen,
  • dich emotional zu manipulieren,
  • und mentalen Druck und Schuld zu erzeugen.

Dir soll unmissverständlich vermittelt werden: Du hast etwas falsch gemacht oder bist moralisch verpflichtet, etwas zu tun. Du sollst deine Entscheidung infrage stellen, erklärt die Zeitjung online.

„Guilt-Tripping“ auf Deutsch: Der Begriff kommt aus dem Englischen – „Guilt“ für Schuld, und „Trip“ wörtlich für eine Reise. Im übertragenen Sinne steht „Trip“ dabei für eine mentale Erfahrung. Gemeint ist, jemanden bewusst „in die Schuldgefühle zu schicken“. In den 1960er und 1970er Jahren tauchte der Ausdruck erstmalig in den USA umgangssprachlich auf.

Studien zeigen: Schuldgefühle machen uns krank

Wer ständig das Gefühl bekommt, schuldig zu sein, trägt einen emotionalen Ballast. Dieser wirkt sich nicht nur auf die zwischenmenschlichen Beziehungen aus, sondern auch auf die eigene psychische Gesundheit. Die Forschung zeigt deutlich, dass wiederholtes Guilt-Tripping zu Ängsten, Depressionen und verminderter Intimität führen kann.

Tritt Guilt-Tripping in der Eltern-Kind-Beziehung auf, kann das laut eines wissenschaftlichen Artikels in einem geringen Selbstwert, schlechter Emotionsregulation und problematischen Beziehungen enden. Daher gilt es, die Schuldzuweisungen schon früh zu erkennen.

Guilt-Tripping erkennen: 4 typische Sätze

Hand aufs Herz: Wir alle haben schon mal mindestens eine dieser Aussagen an den Kopf geworfen bekommen. Weißt du noch, wie du dich danach gefühlt hast?

  • „Wenn du mich wirklich lieben würdest, würdest du XY tun.“
  • „Nach allem, was ich für dich getan habe…“
  • „Ich mache so viel für dich, aber von dir kommt nichts.“
  • „Wenn du nicht kommst, bin ich richtig enttäuscht!“

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Warum wirken sie so stark?

Weil wir soziale Wesen sind. Schuld hängt mit unserem Bedürfnis nach Zugehörigkeit zusammen. Wer dem Guilt-Tripping ausgesetzt ist und zudem das Gefühl bekommt, nie genug zu sein, läuft Gefahr, ständig Rücksicht auf andere zu nehmen und die eigenen Grenzen zu verlieren.

Wichtig zu wissen: Guilt-Tripping passiert oft im Freundeskreis, in Partnerschaften oder in der Familie. Wer sich dessen bewusst ist, kann es schneller erkennen und die Schuldgefühle überwinden.

Praxis-Tipps: So tappst du nicht in die Schuld-Falle

Sage dir selbst: Ich darf Nein sagen! Und wenn dir ein „Nein“ nicht über die Lippen geht, versuch dich an diesen Strategien, um dich gegen das Guilt-Tripping zu wehren:

  1. Die Dynamik erkennen: Frage dich: Macht die Person mich dafür verantwortlich, wie ich mich fühle?
  2. Sprich Klartext: Zum Beispiel: „Ich fühle mich unter Druck gesetzt, wenn du XY sagst. Ich möchte meine Entscheidung selbst treffen.“
  3. Distanziere dich: Spürst du Schuld-Druck, kann es helfen, wenn du dich eine Weile zurückziehst und auf Abstand gehst.
  4. Grenzen setzen: Du entscheidest, was du gibst – und was nicht. Dein Gegenüber sollte das akzeptieren.

Zu guter Letzt der schwierigste, und dennoch wichtigste Punkt: die Selbstempathie. Deine Gefühle sind wichtig! Wenn jemand versucht, dir Schuld einzureden, erinnere dich: „Ich bin okay mit meiner Entscheidung. Ich darf so handeln, wie ich es für richtig halte.“

Anna Chiara schreibt aus Erfahrung.
Foto: privat Credit: privat

Unsere Autorin Anna Chiara hat viele Jahre mit mentaler Belastung gekämpft. Heute setzt sie sich ehrenamtlich für die Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen ein und schreibt Ratgeber aus persönlicher Erfahrung.

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