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Boomer-Soli: Schon ab dieser Rente müsstest du ihn zahlen

Ein Solidaritätsabzug von der Rente, um ärmere Senioren zu unterstützen? Wer zahlen müsste, was geplant ist und warum der „Boomer-Soli“ so umstritten ist.

Noch weniger Rente? Was der Boomer-Soli bedeuten könnte. welche Idee dahinter steckt und was Kritiker sagen.
© IMAGO/Wolfilser

Rentenerhöhung 2024 – clevere Finanztipps

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Ein Vorschlag des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sorgt aktuell für hitzige Diskussion: Wohlhabende Rentner*innen könnten künftig eine Solidaritätsabgabe auf ihre Alterseinkünfte zahlen müssen – zugunsten ärmerer Senior*innen, wie tagesschau.de bereits berichtete. Was genau das bedeutet, wer betroffen wäre und warum der Vorschlag umstritten ist, erfährst du hier.

Aktueller Wochenbericht des DIW zum Soli

In seinem Wochenbericht schlägt das DIW unter dem Titel „Ohne direkte Mehrbelastung der Jungen: ‚Boomer-Soli‘ kann wichtiger Baustein für Stabilisierung der Rente sein“ eine neue Finanzierungsoption für das Rentensystem vor.

„Einschlägige Stellschrauben – insbesondere höhere Beitragssätze oder ein sinkendes Rentenniveau – führen zu einem Spannungsverhältnis zwischen den Generationen“, heißt es einleitend im Bericht. Aktuell bestehe dabei nur eine Entweder-oder-Situation: Entweder werden Jüngere finanziell stärker belastet – oder Ältere laufen Gefahr, in die Altersarmut zu rutschen, wie die FR berichtete.

Soli soll ab dieser Rentenhöhe fällig werden

Renteneinkünfte, die über einem Freibetrag von 1.048 Euro im Monat liegen, sollen künftig stärker besteuert werden – vor allem, um einkommensstärkere Rentnerhaushalte finanziell stärker in die Verantwortung zu nehmen. Gleichzeitig ist geplant, einkommensschwache Rentner*innen um bis zu elf Prozent zu entlasten. Für wohlhabendere Seniorinnen und Senioren würde die Mehrbelastung laut Berechnungen zwischen drei und vier Prozent liegen. Der „Boomer-Soli“ solle nur das einkommensstärkste Fünftel der Rentnerhaushalte betreffen, betont der DIW. 

So berichteten wir am 17. Juli 2025:

Was genau das DIW vorschlägt

Das DIW fordert eine gerechtere Verteilung innerhalb der älteren Generation. Der sogenannte „Boomer-Soli“ wäre eine Abgabe auf gesetzliche, betriebliche und private Renteneinkünfte – aber nur für die obersten 20 Prozent der Rentner*innen, also für diejenigen mit besonders hohen Alterseinkommen.

Konkret schlägt das DIW eine Sonderabgabe von rund 10 Prozent ab einem monatlichen Freibetrag von etwa 1.000 Euro vor. Die Einnahmen würden in einen Sozialfonds fließen, der gezielt ärmere Rentner*innen unterstützt – zum Beispiel durch Zuschüsse oder höhere Grundsicherung im Alter.

Das Ziel: Altersarmut senken und den sozialen Ausgleich unter den Rentner*innen stärken. Laut DIW könnte die Armutsquote unter Älteren von 18 auf 14 Prozent sinken, und das Einkommen der ärmsten 20 Prozent würde um rund 10 bis 11 Prozent steigen.

Wer zahlt den Boomer-Soli – und wer nicht?

Der Vorschlag richtet sich nicht an alle Rentner*innen, sondern gezielt an wohlhabendere Haushalte im Ruhestand – vor allem aus der sogenannten Babyboomer-Generation (Geburtsjahrgänge ca. 1955–1969). Sie verfügen laut DIW oft über überdurchschnittliche Renten, Immobilienvermögen und Ersparnisse.

Alle Rentenempfänger*innen mit weniger als rund 1.000 Euro pro Monat wären komplett ausgenommen. Im Durchschnitt würde die Abgabe für Betroffene 3 bis 4 Prozent ihres Nettoeinkommens ausmachen – bei sehr hohen Renten könnte es mehr sein.

Kritik am Boomer-Soli: Generationenkampf oder fairer Ausgleich?

Der Vorschlag stößt auf gemischte Reaktionen. CDU/CSU lehnen ihn ab. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert, dass die Abgabe nur innerhalb der Rentnergeneration umverteilt – echte soziale Gerechtigkeit müsse auch Vermögen und Kapitalerträge stärker erfassen. Dagegen meint DIW-Ökonom Stefan Bach, dass gerade ein moderater Beitrag der wohlhabenderen Rentner*innen helfen könne, das System langfristig zu stabilisieren – ohne jüngere Generationen zusätzlich zu belasten.

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Gute Idee oder politisch kaum machbar?

Der „Boomer-Soli“ ist bislang nur ein Vorschlag aus der Forschung – kein Gesetzesvorhaben. Doch er bringt eine wichtige Debatte ins Rollen: Wie soll die soziale Absicherung im Alter künftig aussehen, wenn gleichzeitig die Babyboomer in Rente gehen und die Bevölkerung altert?

„Deutschland sollte das Rentenalter regelgebunden erhöhen – zwei Drittel der zusätzlichen Lebenszeit gehen in Arbeit und ein Drittel in Ruhestand“, so die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, zur Rheinischen Post. Inzwischen befürwortet die Vorsitzende des Sachverständigenrates Wirtschaft eine Sonderabgabe für wohlhabende Rentner*innen. „Ich finde es gar nicht verkehrt über einen solchen Vorschlag nachzudenken“, sagte Schnitzer dem Bayerischen Rundfunk. 

Ob der Vorschlag politisch durchsetzbar ist, bleibt offen. Klar ist: Die Schere zwischen armen und reichen Rentner*innen geht weiter auseinander.

Boomer-Soli: Das ist die Position der Rentenversicherung

Doch wie steht eigentlich die Deutsche Rentenversicherung zum Boomer-Soli? Die DRV‑Präsidentin Gundula Roßbach warnte allerdings vor solchen Vorschlägen im bestehenden System. Dabei führt sie folgende Argumente an:

  • Es fehlen verlässliche Daten über die tatsächliche Bedürftigkeit von Rentnerinnen und Rentnern. Nicht jede geringe gesetzliche Rente bedeutet automatisch Altersarmut.
  • Paare mit niedriger gesetzlicher Rente haben oft trotzdem deutlich höhere Haushaltseinkommen durch zusätzliche Vorsorge oder Partner‑Einkommen.
  • Eine faire Umverteilung innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung wäre nur möglich, wenn wirklich alle Erwerbstätigen in dasselbe System einzahlen – also z. B. auch Beamt*inen und Selbstständige. Solange das nicht der Fall sei, müsse eine Umverteilung über das Steuersystem erfolgen

Darüber hinaus gibt es nur wenige Rentner*innen mit sehr hohen Bezügen, da die Beitragsbemessungsgrenze die monatlichen Beiträge begrenzt – aktuell bei 8.050 Euro brutto. Wer mehr verdient, zahlt keine höheren Beiträge und erhält daher auch keine höhere Rente. Maximal können theoretisch etwa 3.670 Euro brutto pro Monat erreicht werden, in der Praxis liegt die Rente von über 90 Prozent der Rentner*innen unter 2.400 Euro. „Die Verteilmasse ist überschaubar“, so Roßbach.

Einheitliches System als Voraussetzung für gerechte Umverteilung

Eine gerechte interne Umverteilung setzt voraus, dass alle Erwerbstätigen in dasselbe System einzahlen. Länder wie die Schweiz oder die USA zeigen, dass dies funktioniert, weil dort keine separaten Systeme für Beamte oder Selbstständige bestehen. „Wenn innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung generell mehr Umverteilung gefordert wird, wäre die Ausweitung des versicherten Personenkreises eine zwingende Voraussetzung“, s0 Roßbach.

Solange dies nicht umgesetzt ist, müsse Umverteilung über das Steuersystem erfolgen, da dort die notwendigen Daten vorliegen. Roßbach versteht ihre Aussagen nicht als Forderung nach einer Erwerbstätigenversicherung. Zwar wäre die Einbeziehung Selbstständiger in die gesetzliche Rentenkasse sinnvoll, Beamte würden langfristig jedoch höhere Kosten verursachen.

Gender Pension Gap: Frauen stehen auch 2024/25 bei der Rente weiterhin deutlich schlechter da als Männer. Laut Daten des Statistischen Bundesamts beträgt der Gender Pension Gap im Jahr 2024 25,8 %, wenn man Hinterbliebenenrenten und Pensionen mit berücksichtigt. Ohne diese Leistungen liegt die Lücke sogar bei 36,9 %. Frauen ab 65 Jahren verdienen inkl. dieser Hinterbliebenen- und Pensionsbezüge im Schnitt etwa 20.668 Euro/Jahr brutto, Männer etwa 27.850 Euro.

Die häufigsten Gründe für das Gefälle: Frauen arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Branchen. Sie sind öfter in Teilzeit tätig. Sie unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit für Pflege- und Fürsorgeaufgaben. Sie sind seltener in Führungspositionen.

Um den Gender Pension Gap auszugleichen, sollten Frauen auf die Altersvorsorge achten.

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